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Montag, 16. Mai 2011 Bereicherung und Stärkung - Interview mit Prof. Jäger
Mit Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Wolfgang Jäger hat das IUCE-Kuratorium ein prominentes Gesicht. Das Engagement für die erste private Hochschule für Duales Studium (i.G.) in Baden-Württemberg ist ein bewusster Schritt des 70-jährigen Politologen und früheren Rektors der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr. Dr. h. c. mult.Wolfgang Jäger zu Position und Funktion der IUCE.
Sie haben wesentlich zur erfolgreichen Profilbildung der Uni Freiburg als exzellenter Hochschule beigetragen. Heute fördern Sie mit der IUCE eine private Hochschule für Duales Studium. Was reizt Sie daran?
WJ: Ich war schon immer Befürworter eines Ausbaus privater Hochschulen in Deutschland. Insgesamt profitiert die Hochschullandschaft von ihrer zunehmenden Differenzierung und der Entwicklung neuer Hochschultypen. Die besondere Herausforderung, die Entstehung und Entwicklung der IUCE zu begleiten, liegt für mich darin, Theorie und Praxis zusammenzubringen. Das hat mich schon als Rektor der Universität interessiert. Das Duale Studium ist sozusagen die Steigerungsform: Sie bringt Theorie und Praxis nicht nur zusammen, sondern verzahnt sie eng miteinander.
Wie viel Exzellenz steckt in der IUCE? – Und wie äußert sie sich?
WJ: Die IUCE versteht sich insofern als ausgezeichnete Hochschule, als Praxisorientierung, Leistung und Wettbewerbsfähigkeit als Grundprinzipien fest im Selbstverständnis verankert sind. Wir stellen hohe Qualitätsansprüche an Lehre und Forschung und nicht zuletzt auch an die Studierenden. Zum Standard gehört daher, dass sich nur immatrikulieren kann, wer das Aufnahmeverfahren mit persönlichem Vorstellungsgespräch erfolgreich bestanden hat. Wissenschaft und Wirtschaft kooperieren an der IUCE eng miteinander.
Welche Vorteile bringt dieses Bündnis der Hochschule, den Studierenden und den Unternehmen?
WJ: Der Vorteil für alle Beteiligten liegt in der Nachhaltigkeit dieses kooperativen
Gedankens. Studierende erhalten schon früh intensive Einblicke in die Arbeitswelt.
Anders als Bachelorkandidaten der Universität verbringen Studierende der IUCE die Hälfte ihrer Studienzeit in Betrieben. Dadurch erhöhen sich zum einen die individuellen Berufseinstiegschancen, zum anderen generiert die Wirtschaft hier ihren berufsqualifizierten Nachwuchs – ohne aufwendiges Recruiting. Insgesamt entsteht eine Mentalität des angewandten Forschens: Praxisbedürfnisse der Unternehmen und Erkenntnisse der Hochschulforschung treten in ein produktives Wechselverhältnis.
Wie schätzen Sie die Bedeutung der IUCE für den Bildungsstandort Freiburg ein?
WJ: Ich betrachte die IUCE vor allem als Bereicherung und Stärkung der Freiburger Hochschullandschaft und nicht als Konkurrenten – weder zur staatlichen Dualen Hochschule noch zur Universität. Die IUCE liefert mit ihren Spezialisierungen die passgenaue Antwort auf den berufsqualifizierten Nachwuchskräftemangel in den Bereichen Hotelmanagement und Immobilienwirtschaft, Sportmanagement und Marketing.
Gestern Universalgelehrte – heute Pragmatisten? Sehen Sie einen Kulturwandel der Hochschulbildung und wie beurteilen Sie ihn?
WJ: Wohl eher Realisten. Und das beurteile ich positiv. Das Studium heutzutage steht unter gänzlich anderen Vorzeichen als etwa noch im letzten Jahrhundert. Wer heute studiert, sieht sich einer Realität gegenüber, die durch einen hohen Bildungsstandard und zunehmende Akademisierung geprägt ist. Immer mehr Menschen studieren. Gleichzeitig ist die Arbeitswelt durch Globalisierung und einen hohen Grad an Spezialisierung geprägt. Das heißt, Studierende müssen zwangsläufig nicht nur ausgezeichnete Leistungen erbringen, sondern auch zielgerichtet und praxisorientiert handeln, sei es, um Karriere zu machen, oder – allgemeiner gesprochen – um einen für sie sinnvollen Platz in der Gesellschaft zu besetzen.